An der Seite der Tennisstars:
Physiotherapeut Stefan Duell trainiert mit dem Yogaboard

Du betreust Sportlegenden auf der ganzen Welt und bist heute befreundet mit deinen Kindheits-Idolen. Wie fühlt sich das an?

Das ist für mich noch immer der Wahnsinn. Ich spielte als Kind begeistert Tennis und Boris Becker war damals mein größtes Vorbild. Auch die Karrieren von Tommy Haas und Rainer Schüttler verfolgte ich in jungen Jahren genau – und mittlerweile durfte ich schon mit genau diesen Sportlern zusammenarbeiten. Ein besonderes Erlebnis war für mich, als ich vor vier Jahren den Vertrag mit Novak Djokovic unterschrieben habe. Sein Trainer war damals kein geringerer als Boris Becker – und dadurch sind wir Freunde geworden. Wenn ich ihn sehe, dann schau ich auch oft auf seine Wehwehchen. Wenn mir das jemand vor 20 Jahren erzählt hätte, dann hätte ich gesagt: Du hast wohl ´nen Vogel!

Was kennzeichnet deine Arbeit als Physiotherapeut von Profisportlern?

Ich teste Sportler von oben bis unten durch – nicht nur physiotherapeutisch, sondern auch trainingsspezifisch, zum Beispiel anhand des Functional Movement Screen: Das ist ein Testverfahren, welches seit 2006 auch bei der Fußballnationalmannschaft erfolgreich eingesetzt wird und nicht nur quantitative, sondern auch wertvolle qualitative Erkenntnisse über funktionelle Bewegungen liefert. Die Technik ermöglicht es, Bewegungsmuster nach objektiven Kriterien zu analysieren und Veränderungen zu dokumentieren.

Wie genau funktioniert Functional Movement Screen?

Der Test besteht aus sieben Übungen wie Kniebeugen oder Einbeinstand, mit denen grundlegende Bewegungsmuster überprüft werden. Diese bilden die Ausgangslage für fast alle komplexen Aktivitäten. Man beurteilt dann anhand bestimmter Kriterien, wie gut die Übungen durchgeführt werden. Auf Basis der Messwerte entwickle ich schließlich für jeden einzelnen Sportler ein individuell zugeschnittenes Trainingsprogramm, das spezifisch auf Schwachstellen eingeht und sie schnell verbessern kann.

Warum hast du dich entschieden, Partner von Yogaboard zu werden?

Das Yogaboard unterscheidet sich extrem von anderen Wackelbrettern: Zum einen ist es ein qualitativ sehr hochwertiges Produkt und zum anderen eröffnet es durch seine Größe neue Möglichkeiten. Dadurch lassen sich Positionen wie der Ausfallschritt auf dem Board ausführen. Als ich das erste Mal auf dem Yogaboard stand, habe ich gemerkt, dass es einerseits instabil ist, aber sich gleichzeitig gut dirigieren lässt. Dadurch eignet es sich bestens für Gleichgewichtsübungen mit dem ganzen Körper. Außerdem finde ich die optische Ähnlichkeit zum Surfbrett und die Nähe zum Surfsport toll.

Was macht das Yogaboard für die Physiotherapie so interessant?

In der Physiotherapie werden schon immer instabile Unterlagen eingesetzt – zur Rehabilitation und zur Verletzungsprophylaxe, weil instabile Unterlagen die Propriozeption, also die Tiefensensibilität, anregen. Das ist die Fähigkeit des Körpers, die Lage im Raum festzustellen: Propriozeptoren befinden sich in Muskeln, Sehnen und Gelenken. Diese geben dem Gehirn Signale, wann ein Gelenk sich in welcher Stellung befindet. Man kann zwischen einer bewussten und einer unbewussten Propriozeption unterscheiden. Bewusste Propriozeption ist z.B. die Wahrnehmung auf einem Bein zu stehen, während unbewusste Bewegungssteuerung bedeutet, dass wir z.B. Treppen steigen, ohne
nachzudenken. In der Rehabilitation hat sich das Training auf der instabilen Unterlage bewährt, weil es besonders das Nerv-Muskel-Zusammenspiel schult. So können Patienten nach Operationen oder Verletzungen viel schneller wieder fit werden.

Wie nutzt du das Yogaboard als Sportphysiotherapeut?

Nicht nur für meine Tennisspieler, sondern auch für jeden anderen Profi- und Freizeitsportler ist die Stärkung der Rumpfmuskulatur extrem wichtig. Dazu eignen sich vor allem Übungen mit dem eigenen Körper, die sich auf dem Yogaboard intensivieren lassen: Das instabile Brett bewirkt einen stärkeren Übungseffekt, weil es die Tiefenmuskulatur und Tiefensensibilität anspricht. Neben dem Tennis erfordern besonders Sportarten, bei denen Sportler zum Umknicken neigen, ein regelmäßiges Training auf dem Wackelbrett als Verletzungsprophylaxe: Das dient dazu, dass Spieler und Gegenspieler der Muskulatur besser zusammenarbeiten, es schult das Zusammenspiel von Nerven und Muskeln, sodass der Sportler im Wettkampf viel stabiler agieren kann. Im Grunde können alle Balance-Sportarten mit dem Yogaboard effizient trainiert werden – denn der wacklige Untergrund hebt die Übungen auf ein neues Level und bewirkt damit einen besseren Trainingseffekt.

Abgesehen vom Profisport – wieso sollten sich auch Normalsterbliche in der Physiotherapie aufs Yogaboard stellen?

Die Balance zu halten ist ein Teil der Physiologie des menschlichen Körpers – deshalb ist es jedem Physiotherapeuten zu empfehlen, mit einem Balance- Board zu arbeiten. Ein einfaches Beispiel: Die meisten Menschen sitzen am Schreibtisch oft viel zu lange in der Beugehaltung – dadurch wird der ganze Streckapparat der Wirbelsäule falsch belastet und auch das Nervensystem kann in Mitleidenschaft gezogen werden. Wenn man nun auf dem Yogaboard trainiert oder sich einfach nur drauf stellt, dann zielt das automatisch auf eine gute, physiologische Haltung der Wirbelsäule ab – weil man dabei besser das Gleichgewicht halten kann.

Trotz deines riesigen Erfolgs wirkst du sehr geerdet. Wie gelingt dir das?

Ich versuche immer auf dem Boden zu bleiben – auch auf meinen Social- Media-Kanälen. Wenn mich Leute anschreiben, dann antworte ich auch so gut wie jedem und versuche gegebenenfalls Tipps zu geben, vor allem, wenn mich jüngere Kollegen um Rat fragen. Ich bin eigentlich von Haus aus sehr geerdet: Don`t forget where you come from!